Ginger Jeans

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Yippie. Ich habe eine Jeans genäht, die sogar tragbar ist. Eine Jeans zu nähen, das war in meiner Vorstellung irgendwie immer der Olymp des Nähens. Schließlich ist es ja schon total schwierig eine passende Jeans zu kaufen, die im Laden gut sitzt und die nach einem Mal tragen nicht total ausleiert. Wie sollte ich dann eine passende Jeans nähen? Für mich war das Projekt „Jeans Nähen“ immer total unerreichbar in meinem Kopf. Und in dem Fall ist es dann am besten, wenn man es einfach ausprobiert, schließlich kann ja gar nichts passieren. Und naja, wie du siehst: Mein Kopf hatte Unrecht!

Frau mit selbstgenähter Jeans GingerIch muss allerdings zugeben, dass mich bei diesem Projekt die ganzen Bloggerinnen, die schon wunderhübsche passende Jeans genäht haben, unheimlich motiviert haben und mir auch ein bisschen den Respekt genommen haben. Denn wenn so viele schon eine passende Jeans genäht haben, dann muss ich das doch auch irgendwie hinbekommen!

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Nun erst einmal zur Vorgeschichte zu gekauften Jeans. Irgendwie war ich schon immer genau zwischen zwei Größen. Die eine Größe war zu eng an der Hüfte und die andere hat zwar am Bund gepasst, hatte dafür aber zu weite Beine. Als ich begonnen habe, mich damit zu beschäftigen, wo meine Kleidung herkommt und ich beschlossen habe, vor allem Jeans nur noch Fairtrade zu kaufen, hat sich das Problem noch vergrößert. Denn so war ich auf einige wenige Marken eingeschränkt und dafür muss man dann auch erst mal einen Laden finden, der auch diese Marken führt. Meine letzten beiden Jeans habe ich mir vor etwas mehr als zwei Jahren in Dresden in einem Fairtradeshop mit dem schönen Namen populi gekauft. Leider musste ich dabei den Kompromiss eingehen, eine Hose mit Echtleder-Patch zu kaufen. Und auch bei einer der gekauften Jeans, waren die Beine etwas zu weit. Diese habe ich dann an den Seitennähten etwas enger gemacht, sodass die Jeans dann gut tragbar war. Gesehen hast du sie vielleicht schon in diesem Blogbeitrag. Wenn man über zwei Jahre nur zwei Jeans besitzt und diese regelmäßig trägt, zeigen sich dann natürlich schon Abnutzungsspuren. Das war natürlich der perfekte Anlass, um mich endlich an das Projekt „Jeans-Nähen“ zu wagen, denn den Jeansstoff habe ich schon vor über einem Jahr im Karstadt gekauft.

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Nachdem ich bei vielen Bloggerinnen so viel gutes über die Ginger Jeans von Closet Case Patterns gelesen habe, entschied ich mich auch für diesen Schnitt mit dem dazugehörigen Ebook. Nachträglich muss ich sagen, dass ich das Ebook nicht unbedingt gebraucht hätte, da es ein sehr ausführliches Sew-Along auf dem Blog von Closet Case Patterns gibt. Dennoch sind im Ebook, noch einige Bilder und Skizzen mehr enthalten als im Sew Along. Besonders toll finde ich, dass Heather Lou bereits in der Einleitung davon berichtet, dass wir häufig am Anspruch der Perfektion scheitern und deshalb nicht versuchen sollten, eine perfekte Jeans zu nähen, denn diese existiert vermutlich gar nicht. Und natürlich ist auch meine Jeans nicht perfekt geworden. Zum Beispiel dreht sich das linke Hosenbein nach vorn ein, obwohl ich beim Zuschneiden auf den richtigen Fadenlauf geachtet habe. Aber die Tatsache, dass sich das rechte Bein nicht eindreht, zeigt mir, dass es auf jeden Fall möglich ist und ich werde es bei der nächsten Jeans einfach versuchen, besser zu machen.

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Bei der Ginger Jeans gibt es im Schnittmuster zwei Versionen. Die Version A hat einen tief sitzenden Bund und ein gerades Bein und die Version B hat einen taillenhohen Bund und ein schmal zulaufendes Bein. Ich habe eine Mischung aus A und B genäht mit hüfthohem Bund und dem schmalen Bein. Bei der Größe war ich mir etwas unsicher, da ich bei den Maßen an der Hüfte einer Größe 10 entspreche und in der Taille genau zwischen Größe 8 und 10 liege. In der Maßtabelle des Schnitts ist außerdem der Brustumfang mit angegeben. Frage nur ich mich, was der Brustumfang mit der Größe einer Jeans zu tun hat?

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Ich habe dann erst einmal alle Teile in der Größe 10 zugeschnitten, schließlich kann man ja immer noch Stoff wegschneiden, mit dranschneiden sieht es dagegen eher schwierig aus. Ich habe dann wie empfohlen die Hosenbeine mit der Nahtzugabe von 1,6 cm, die im Schnitt enthalten ist, mit dem längsten Stich meiner Nähmaschine zusammengeheftet und anprobiert. Und auch wenn es erst einmal mehr Arbeit scheint, habe ich es nicht bereut. Denn die Hose saß überhaupt nicht skinny und war auch am Bund viel zu weit. Ich habe also alle Schnittmusterteile in der Größe 8 ausgeschnitten und auf die bereits zugeschnittenen Stoffteile gelegt und alles überstehende weggeschnitten. Ich könnte mir vorstellen, dass mir dabei auch der Fehler mit dem Fadenlauf im linken Bein passiert ist. Anschließend habe ich noch einmal die Hosenbeine und auch die hinteren Passen zusammengeheftet und anprobiert und zum Glück saß dann alles gut. Ich habe lediglich die Beine an der im Schnittmuster angegebenen Linie um 3 cm gekürzt. Da die Passe hinten etwas abstand, habe ich an der Mittelnaht, an der die beiden Passen verbunden werden, einen Keil, der nach oben hin breiter wird abgenäht, sodass die zusammengenähten Passen an der Oberkante 1,5 cm schmaler waren als im Schnitt angegeben. Dann habe ich alle Heftnähte wieder aufgetrennt und das richtige Nähen konnte beginnen.

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Beim Nähen hatte ich keine größeren Schwierigkeiten. Für die Ziernähte hatte ich mir extra dickes Garn gekauft mit den dazugehörigen Topstitch-Nadeln. Das dicke Garn habe ich nur im Oberfaden eingefädelt und beim Unterfaden ein normal dickes Garn verwendet. Genäht habe ich dann mit einem Geradstich in einer Stichlänge von 3,3 cm. Mit diesen Einstellungen hat meine Nähmaschine die Ziernähte super gemeistert und hatte auch an den mehrlagigen Stellen keine Probleme. Für die Nähte mit normalem Garn habe ich Jeans-Nadeln verwendet, die ich auch an meiner Overlock angebracht habe. Die Innenbeinnaht habe ich als Kappnaht genäht und bei der Außenbeinnaht habe ich beide Stofflagen einzeln mit der Overlock versäubert und anschließend mit einem Geradstich meiner Nähmaschine zusammengenäht. Bei der Overlock habe ich dabei rotes Garn in die Greifer eingefädelt, weil ich irgendwie wollte, dass die Jeans auch von innen schön aussieht.

Innenseite einer selbstgenähten Ginger Jeans Innenseite einer selbstgenähten Ginger Jeans

Bei dem Nähen den vorderen Taschen habe ich dieses Vorhaben der schönen Innenansicht irgendwie ignoriert und die rechte Seite des Baumwollstoffs ist auf der Innenseite der Taschen gelandet, anstatt an der Innenseite der Hose… Innenseite einer selbstgenähten Ginger JeansAußerdem ist das Münzfach auf der linken Seite, was ich aber überhaupt nicht schlimm finde.

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Beim Nähen des Bundes werden in der Anleitung zwei Varianten vorgeschlagen. Man kann die Innenseite des Bundes entweder aus Webware nähen. Der Bund ist dann viel fester und weniger elastisch. Oder man kann ihn komplett aus Jeansstoff nähen, dann ist er dehnbarer, insofern der Jeansstoff einen Elasthan-Anteil hat. Ich habe zuerst den Bund innen aus Webware genäht. Als ich dann aber die Hose anprobiert, saß sie überhaupt nicht schön und es gab fiese Speckröllchen über dem Hosenbund. Ich habe den Bund noch einmal abgetrennt und komplett aus Jeansstoff zugeschnitten und ohne, dass ich irgendwelche Maße geändert habe, sitzt der Bund nun wirklich perfekt. Nach einem Tag Tragen sitzt er sogar fast zu locker.

Ein wenig Geduld hat kurz vorm Fertigstellen der Jeans noch das Knopfloch von mir gefordert. Ich habe natürlich brav an einem Probestück mehrmals das Knopfloch getestet und es hat immer geklappt, sogar bei 4 Lagen Jeans übereinander. Als es dann aber an das richtige Knopfloch ging, hat die Knopflochautomatik meiner Nähmaschine dann gesponnen. Nach mehrmaligem Auftrennen habe ich schließlich die Teilautomatik benutzt, bei der man die Länge des Knopfes selbst einstellen muss. Damit hat es schließlich, nachdem ich schon am Rande der Verzweiflung vor lauter Auftrennen war, geklappt.

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

An den aufgesetzten Gesäßtaschen habe ich noch eine gestickte Ziernaht angebracht und ich finde damit sieht die Jeans wirklich fast wie gekauft aus.Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Um ehrlich zu sein, fand ich es beim Fotosmachen schon ein wenig komisch meinen Hintern so in die Kamera zu halten. Aber schließlich ist die Rückansicht einer Jeans ja mit das wichtigste;)

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Um den Kaufjeans-Look perfekt zu machen, habe ich außerdem noch ein Fake-Lederpatch aus SnapPap auf dem Bund angebracht.Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

Materialien auf einen Bllick
Schnitt
Größe 8
21 USD
Stoff
Jeansstoff mit Elasthananteil
1,5 m
ca. 15 €
Taschenstoff
Stoffrest
ca. 20 cm
Knopf
1 Stück
0,40 €
Nieten
3 Stück
0,75 €
Reißverschluss
14 cm lang
2,65 €
Zubehör
3,55 €
4,25 €
4,30 €
Label
Stempel von stempelservice.de
Benötigte Zeit
Zuschnitt
1 Stunde
Heften und Ändern
3 Stunden
Nähen
9,5 Stunden

Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann bedanke ich mich ganz herzlich bei dir. Denn heute habe ich ja wirklich viiieel geschrieben. Ich muss sagen, ich bin richtig stolz auf meine Jeans und bin sehr froh mich an dieses große Projekt gewagt zu haben. Wenn du also im Kopf ein Projekt hast, was für dich nicht oder noch nicht erreichbar scheint, dann trau dich einfach es zu probieren. Es kann ja schließlich nichts schief gehen und im schlimmsten Fall hast du nur etwas dazugelernt.

Und mit diesen Worten verabschiede ich mich heute von dir. Bis bald,

deine Crissie

Verlinkt bei: Rums

Frau mit selbstgenähter Jeans Ginger

14 Kommentare

  1. Hallo Crissie,
    was für eine coole Jeans und vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung des Nähens, Stofffinden und Jeanskaufens. Die Hose ist wirklich schön, sitzt super am Hintern – vielen Dank auf dafür, dass du deinen Hintern in die Kamera gehalten hast *grins. Ist ja das Wichtigste an einer Jeans und es sieht sehr gut aus bei dir.
    Eine Jeans steht dieses Jahr auf noch auf meiner To-Sew Liste, für den Schnitt werd ich mich wohl auch entscheiden, hab so viel darüber gelesen, nun fehlt noch der passenden Stoff…und die Angst muss noch besiegt werden, denn da geht es mir ähnlich wie dir es ging.
    Viel Freude mit deiner tollen Jeans und liebe Grüße
    Jana

    • Hallo Jana, vielen lieben Dank für das Kompliment, besonders bezüglich meiner Rückansicht;) Ich kann es dir auf jeden Fall empfehlen, dich mal an eine Jeans zu wagen. Man ist einfach so stolz hinterher, auch wenn die Jeans nicht perfekt ist. Und ich muss wirklich sagen, dass ich einiges im Umgang mit meiner Nähmaschine gelernt habe, bei diesem Projekt. Und das ist ja schließlich auch eines der tollen Dinge am Nähen, dass man immer wieder etwas dazu lernt.
      Viele liebe Grüße, Crissie

    • Vielen Dank Kerstin! Ich bin auch mehr als überrascht über die Stoffqualität. Denn der Stoff war ja gar nicht so teuer und ich muss sagen, dass die Qualität dafür wirklich gut ist.
      Liebe Grüße, Crissie

  2. Supertoll, Deine Jeans! Ich möchte mir auch schon eine ganze Weile eine Jeans nähen und suche noch den perfekten Schnitt für mich. Dieser hier kommt auf jeden Fall in die engere Wahl. Ich finde selbst genähte Jeans sind wirklich die Königsdisziplin und Deine ist mehr als gelungen!

    Lg
    Lilo

    • Liebe Lilo, vielen Dank für deine netten Worte. Ich kann dir den Ginger-Schnitt wirklich empfehlen, insofern du kein Problem mit englischen Anleitungen und Schnittmustern hast. Was mir in der Anleitung sehr gefallen hat, waren die Angaben in Zoll und in Zentimeter. So muss man nicht immer umrechnen. Denn dieses Umgerechne stört mich immer am meisten an englischen Schnittmustern;)
      Liebe Grüße, Crissie

  3. Wow – die ist dir echt richtig gut gelungen!!!
    Ich versuche ja auch das meiste meiner Kleidung selber zu nähen, aber an eine Jeans habe ich mich bisher immernoch nicht rangetraut! Alos respekt vor deinem Mut, es einfach mal auszuprobieren und deiner Leistung!
    Dein ausführlicher Post ist auf jeden Fall ein weiterer Motivationsschubs, es doch mal zu wagen.
    Ich brauche nämlich grad auch dringend eine neue Jeans! 🙂
    Liebe Grüße,
    Yvonne

    • Vielen Dank Yvonne! Das freut mich, dass ich dir mit meinem Beitrag einen weiteren Motivationsschubs gegeben habe;) Ich werde auf jeden Fall immer mal auf deinem Blog vorbeischauen, ihr habt da ja auch schon sehr schöne Sachen genäht;)
      Liebe Grüße, Crissie

  4. strickprinzessin

    Sehr schön ist sie geworden :). Was mir auffällt das sich das Hosenbein unten dreht und genau das Problem hatte ich trotz aufpassen und einzeln zuschneiden auch. Ich frage mich wie man das noch beheben kann.
    glG Melanie

    • Danke liebe Melanie, ja das mit dem eingedrehten Bein habe ich ja schon im Text beschrieben. Ich habe jetzt im Nachhinein auf dem Blog von Katharina einen Link zu einem PDF gefunden, in dem das mit dem Fadenlauf bei Jeansstoffen sehr ausführlich beschrieben ist. Ich werde die Hinweise bei der nächsten Jeans berücksichtigen und dann berichten, ob es geholfen hat;)
      Liebe Grüße, Crissie

  5. Wow, genau dass ist Jeans-Nähen für mich, der Olymp 😊
    Deine Jeans ist klasse geworden und eingedrehte Beine habe ich bei Kaufjeans auch häufiger …
    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht, vielleicht traue ich mich ja irgendwann doch!
    GLG Kerstin

    • Oh vielen lieben Dank Kerstin für deinen lieben Kommentar. Ich hoffe, dass ich dich ein wenig motivieren konnte, dich auch mal an eine Jeans zu trauen. Denn auch wenn es sehr zeitaufwändig ist, so habe ich eine Menge gelernt, beim Nähen der Jeans.
      Viele liebe Grüße, Crissie

    • Liebe Christiane, wow du bist ja eine Frühaufsteherin! Der erste Kommentar noch vor um sechs morgens;) Vielen lieben Dank für das Kompliment.
      Liebe Grüße, Crissie

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